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Heimlichkeit

Etwas heimlich tun heißt etwas Geheimes tun, das ein Geheimnis sein kann, aber nur von kurzer Dauer, nicht dazu angetan, die heimliche Aktion zu überdauern. Heimlich, still und leise wird etwas unternommen, das nicht auffallen soll, nicht um ein Geheimnis zu instituieren oder zu wahren, sondern um diesseits einer gewissen Aufmerksamkeit zu handeln, also etwas unbemerkt zu tun, aus ganz pragmatischen und profanen Gründen, um zu überraschen oder zu überrumpeln oder um zu stehlen, weshalb man verstohlen zu Werke geht. Das Mißtrauen scheint im Spiel zu sein. Und Bedrohlichkeiten. Denn: Von Heimlichkeiten sprechen heißt von Dingen oder Vorgängen zu sprechen, die semantisch oszillieren zwischen dem Geheimen, Geheimnis und der Geheimhaltung so wie dem Heim, dem Heimeligen, aber auch der Heimsuchung – und schließlich auch vom Umheimlichen, als demjenigen, dem die Heimsuchung entspringen könnte. Einem Adjektiv vorangestellt, wird „unheimlich“ auch als Verstärker benutzt. Etwas oder jemanden unheimlich schön oder häßlich zu finden, heißt jedenfalls, von einem Maß zu sprechen, das nicht mehr heimelig, nicht mehr der rationalen Nomie des oikos entstammt, sondern darüber oder darunter oder jenseits davon aus dem Unheim kommt, aus dem Unbegreiflichen.
Der unheimliche Schluß: Der heimlich Agierende wird, falls überhaupt, von seiner Umgebung schnell als unheimlich erfahren. Ohne die mögliche Erhabenheit des Geheimnisses ausgestattet, ist das Heimliche also weit harmloser, flüchtiger und darin vielleicht schwerer zu fassen – in summa eine Kalkulation, die das Weltgefüge zu vernichten imstande ist.